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ProSe 26: Planetary Care. Perspektiven für ein mehr-als-menschliches Leben - Einzelansicht

Grunddaten
Veranstaltungsart Projekt Learnweb   Logo Learnweb
Veranstaltungsnummer 0793 Kurztext
Semester SoSe 2026 SWS 8
Erwartete Teilnehmer/-innen 15 Max. Teilnehmer/-innen 15
Rhythmus Studienjahr / Zielgruppe Ausschließlich Bachelor-Studierende
Credits Anmeldung Anmeldepflicht
Hyperlink   Evaluation Noch nicht entschieden
Sprache deutsch
Anwesenheitspflicht Ja (mind. 80%) (?)
Anmeldefrist Sperrfrist - manuell erstellte Teilnehmerlisten 01.01.2026 - 01.01.2026

Anmeldepflicht
Termine Gruppe: 1-Gruppe iCalendar Export
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum (mögliche Änderungen beachten!) Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer/-innen
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Mi. 10:00 bis 18:00 wöchentlich 15.04.2026 bis 15.07.2026  Hs 46 / Weißes Haus - KC.46.0.03 (Bibliothek Philosophie und Handapparat Kulturpolitik) Raumplan        
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Do. 10:00 bis 18:00 wöchentlich 16.04.2026 bis 16.07.2026  Hs 46 / Weißes Haus - KC.46.0.03 (Bibliothek Philosophie und Handapparat Kulturpolitik) Raumplan        
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Fr. 10:00 bis 18:00 wöchentlich 17.04.2026 bis 17.07.2026  Hs 46 / Weißes Haus - KC.46.0.03 (Bibliothek Philosophie und Handapparat Kulturpolitik) Raumplan        
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Do. 12:00 bis 14:00 Einzeltermin am 16.07.2026 Hs 52 / Burgtheater - KC.52.1.13 Herder-Kolleg Raum (Theater / Philosophie) Raumplan        
Gruppe 1-Gruppe:


Zugeordnete Personen
Kontaktpersonen (durchführend) Zuständigkeit
Hetzel, Andreas, Professor Dr. phil. habil. verantwortlich und durchführend
Chodura, Hannah durchführend, nicht verantwortlich
LSF - Module
Modulkürzel Modultitel
KUW-PROJ18 Interdisziplinäres Projektmodul (18 LP)
Zuordnung zu Einrichtungen
Inst. für Philosophie
Inhalt
Lerninhalte
  • We are all lichens; so we can be scraped off the rocks by the Furies, who still erupt to avenge crimes against the earth. Alternatively, we can join in the metabolic transformations between and among rocks and critters for living and dying well. “‘Do you realize,’ the phytolinguist will say to the aesthetic critic, ‘that [once upon a time] they couldn’t even read Eggplant? And they smile at our ignorance, as they pick up their rucksacks and hike on up to read the newly deciphered lyrics of the lichen on the north face of Pike’s Peak.‘“

  • Donna Haraway in “Staying with the Trouble. Making Kin in the Chtulucene”, S. 56-57; in Bezug auf Ursula Le Guin “The Author of Acacia Seeds”

Planetary Care kann eine die Welt umspannende, im weitesten Sinne planetarische Fürsorge beschreiben, die das Netz und die Verflochtenheit menschlicher und mehr-als-menschlicher Lebewesen auf der Erde umfasst. Diese Perspektive verlässt die anthropozentrisch-hegemoniale Stellung des Menschen, ohne dabei dessen Geschichte und praktische asymmetrische Wirksamkeit zu vergessen. Sie entwickelt Kosmologien und Umwelt-Ästhetiken, welche Care als Beziehung zur Welt, zu sich, zu Anderen und zur Umwelt, begreifen lassen –, und in welcher der Planet Gaia (Bruno Latour) selbst als sensibler und responsiver Akteur auftaucht.

Im engeren Sinne geht es darum, wie wir, verstanden als die Gesamtheit aller Akteur*innen – in dieser Welt eingebunden sind, also um die planetarische Relationalität und Situiertheit selbst – auch in der unmittelbaren Gegenwart, die uns mit der Gleichzeitigkeit multipler Krisen konfrontiert. Mit diesem Wir sind ebenso menschliche Kollektive gemeint, die planetare Lebensgrundlagen nicht nur transformieren, sondern auch destabilisieren können. Aus dieser asymmetrischen Verstrickung heraus sieht sich der Mensch in die besondere Verantwortung gesetzt, auf seine planetarische Relationalität und Positionalität kritisch zu reflektieren und in zwei Hinsichten zu antworten.

  1. In ästhetischer Hinsicht: Wie und wodurch nehmen wir die relationalen und terrestrischen Verstrickungen und unsere Response-ability (Donna Haraway) wahr? Welche Aspekte dieses Verhältnisses entziehen sich der menschlichen Wahrnehmung? Welche Lebensgemeinschaften, spiegeln besondere Potentiale von Kollaborationen und Kohabitationen wider?
  2. In ethisch-praktischer Hinsicht: Wie sollten wir diese Relationalität jetzt und in möglichen Zukünften leben? Was können wir von Lebensgemeinschaften wie der Symbiose der Flechte und (ästhetischen) Ökosystemen lernen? Wie können wir für die planetare Relationalität Sorge tragen, sie erhalten und unterstützen? Und: inwiefern haben Praktiken der Sorge das Potenzial, u.a. ökologischen und sozialen Krisen unserer Zeit etwas entgegenzusetzen?

Unter dem Begriff Planetary Care können sowohl ästhetische, ethische als auch ökologische Perspektiven diskursiv und produktiv zusammengeführt werden. Sie verbindet die Fokussierung auf die (ästhetische) Praxis: Wie lässt sich die planetarische Relationalität aufmerksam, bedacht und nachhaltig gestalten? In welchen Praktiken und Ästhetiken des Alltags und in welchen exemplarischen Ökosystemen erkennen wir sorgende Haltungen? Sind letztere auf eine Kultivierung ästhetischer Sensibilität angewiesen in Anbetracht unterschiedlicher Bedürfnisse von einzelnen Lebewesen sowie Lebensgemeinschaften und im besonderen Maße in krisenhaften Situationen? Können künstlerische Praktiken dabei eine sorgende Zuwendung anbahnen, durch die sich Lebens- und Beziehungsmöglichkeiten von Menschen, Tieren, Pflanzen, Ökosystemen, Böden und Landschaften steigern lassen?

Innerhalb unseres Projektes sollen philosophisch-theoretische Perspektiven durch künstlerische Positionen, die sich im Feld Planetary Care bewegen und entweder verstärkt im Bereich Environmental Arts and Education oder im Kontext von Care/Fürsorge verortet sind, ergänzt und mit ihnen verschränkt werden. Ein wichtiger Teil der Projektarbeit besteht in ästhetisch-praktischen Übungen und Erkundungen, die das theoretische Verständnis von Planetary Care befragen und erweitern können. Die künstlerischen Positionen befassen sich beispielsweise mit ökologischen Lebensgemeinschaften oder entwickeln über die planetarische Grenze hinaus schöpferische Kosmologien – wie etwa die Künstlerin Sophie Lindner in ihren Lecture Performances (z.B. „Planetary Nurses. Verkörperungen verletzlicher Kosmo-logien“, „Profit und Umkehr im Orbit“) erforscht.


In einer ersten, input-orientierten Phase sichten und diskutieren wir Positionen an der Schnittstelle von Care-Ethik, kritischen Theorien gesellschaftlicher Naturverhältnisse und sozialen Ästhetiken. Als care oder Sorge begreifen wir dabei in einer ersten Annäherung eine Praxis für und in Bezug auf das Leben Anderer. Dieses Leben zeichnet sich für Vertreter*innen der Care-Ethik (Joan Tronto, Sandra Laugier, Nel Noddings) durch seine Bedürftigkeit, seine Vulnerabilität, seine Prekarität sowie seine Abhängigkeit von anderem Leben aus. Diese vier Dimensionen machen sorgende Haltungen nicht nur möglich, sondern zu einem Erfordernis: Ohne sorgende Zuwendung und Unterstützung wäre keinerlei Leben möglich. Die Care-Ethik kultiviert insofern eine Tugend des Konvivialismus, des Lebens mit anderen. In einem geteilten Leben, einem Miteinander Verschiedener, finden wir uns immer schon vor. Um sein Gedeihen, seinen Fortbestand und seine demokratische Ausgestaltung müssen wir uns allerdings permanent sorgen.

Dafür sensibilisieren können uns nicht zuletzt ästhetische Praktiken und künstlerische Interventionen. Insofern sichten wir Beiträge, die Verflechtungen ästhetischer und ethisch-politischer Praktiken der Sorge untersuchen (Iris Murdoch, Yuriko Saito, Maria Puig de la Bellacasa). Soziale Praktiken der Sorge gehen aus der Sicht der hier relevanten Autorinnen immer auch mit einer sinnlichen Aufmerksamkeit einher, umgekehrt drücken sich in ästhetischen Einstellungen Formen der sorgenden Zuwendung aus. Neben theoretischen Texten werden hier künstlerische Thematisierungen wichtig, die uns auf die Unverzichtbarkeit sorgender Haltungen hinweisen, aber auch auf die gesellschaftlichen Herausforderungen und strukturellen Schieflagen, mit denen sich care und Care-Arbeit unter neoliberalen Bedingungen konfrontiert sieht. Die Problemlage reicht von der ungerechten gesellschaftlichen Verteilung von mit care assoziierten Tätigkeitsformen bis zum vollständigen Verleugnen der care-Bedürftigkeit menschlichen Lebens in Rhetoriken des Maskulinismus und der Souveränität, die Care im negativen Sinne mit Schwäche verbinden.

In einer zweiten, stärker von den Studierenden getragenen Phase des Projekts entwickeln wir ausgehend von den theoretischen Auseinandersetzungen künstlerische Strategien, die über das Potenzial verfügen, eine Planetary Care oder Environmental Care zu imaginieren, zu exemplifizieren und anzubahnen. Daneben wollen wir Elemente der qualitativen Sozialforschung (wie die Autoethnografie und Interviews) und ästhetische Praktiken, die an alltägliche Formen des care anknüpfen, aber auch künstlerische Beispiele einbeziehen, wie die Maintenance Art Performances von Mierle Laderman Ukeles, für das Projekt methodisch etwas freier zusammenführen und explorieren.

Hier lassen wir uns von zwei Gegenwartskünstlerinnen und einer Restauratorin inspirieren, die erfolgreich an Schnittstellen von Care-Arbeit, Kunst und gesellschaftlichen Naturverhältnissen arbeiten und entsprechende Erfahrungen mitbringen. Alle drei Praktikerinnen geben uns Inputs in Form von kurzen ästhetisch-praktischen Workshops. Weitere mögliche praktische Formate wären Besuche von Orten des Sorgens in Hildesheim und darüber hinaus sowie Interviews mit bzw. Dokumentationen zu Care-Praktiker*innen, die wir gemeinsam auswerten und künstlerisch „übersetzen“ könnten.

Die Art der künstlerisch-praktischen Aufführung, die am Ende des Projektes stehen soll, legen wir bewusst nicht vorab fest. Wir entscheiden dies gemeinsam, ausgehend, von euren Interessen und künstlerischen Vorerfahrungen. Denkbar (aber nicht alternativlos) wären Formate wie eine Performance, eine Installation oder eine gemeinsame Publikation von künstlerisch-wissenschaftlichen Verschränkungstexten, vielleicht in Kombination mit Bildmaterial. Darüber hinaus wollen wir das Projekt nicht nur und primär vom Ergebnis her denken, sondern dem, was unterwegs geschieht, einen mindestens ebenso hohen Stellenwert einräumen.

Durchgeführt wird das Projekt von zwei Philosoph*innen: Andreas Hetzel (75%) und Hannah Chodura (25%), die beide sowohl zu ästhetischen Praktiken wie zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen arbeiten. Andreas Hetzel wird das Projekt im Rahmen von etwa sechs Stunden pro Woche begleiten, Hannah Chodura im Rahmen von etwa 2 Stunden. Die Begleitung wird dabei vermutlich in der ersten, input-orientierteren Phase intensiver. Sobald sich ein konkreter künstlerisch-praktischer Fokus abzeichnet, steigt wiederum der Anteil eurer Eigenarbeit. Unterstützt werden wir dabei noch von zusätzlichen Impulsgber*innen, vor allem aus der Kunst, aber voraussichtlich auch von einer Restauratorin, die uns mit der japanischen Kunst des Kintsugi vertraut machen kann. Im Kintsugi werden zerbrochene Keramiken mit Hilfe einer Mischung aus Naturlack und Goldstaub so zusammengefügt, dass die Brüche sichtbar bleiben und den Gegenständen eine besondere Aura und Individualität verleihen.

Die Arbeitsform besteht in der ersten Phase in ruhiger und konzentrierter Diskussion ausgewählter Textpassagen sowie in der gemeinsamen Sichtung künstlerischer Beispiele für Planetary Care. Die inhaltlichen Impulse aus diesen Texten und Beispielen werden in der zweiten Phase in eigene ästhetische Praktiken „übersetzt“. Je nach Anzahl der Teilnehmenden kann diese Übersetzungsarbeit in sich sinnvoll ergänzenden und eng miteinander kommunizierenden Kleingruppen erfolgen.

Dieser vorläufige Projektplan lässt bewusst Leerstellen zu, um den Gruppenfindungsprozes-sen, dem Sich-aufeinander-Einstellen und dem Finden und Definieren der gemeinsamen Ziele, genügend Raum und Flexibilität zu geben. „Sorgende Aufmerksamkeit“ meint nicht nur unser künstlerisch-wissenschaftliches Thema, sondern soll auch eine Haltung sein, auf die wir uns im alltäglichen Umgang innerhalb der Projektgruppe verständigen wollen. Im Sommersemester bietet es sich zudem an, den Projektraum regelmäßig zu öffnen, durch gemeinsame Spaziergänge, kleinere Exkursionen, gemeinsames Kochen, Gärtnern und Erholen.

Teilnahmevoraussetzung wäre eine gewisse theoretische Neugierde und eine korrespondierende Bereitschaft, sich auch auf Texte einzulassen, also künstlerisch-praktische Interessen mit Reflexion zu verbinden. Wichtig wäre uns weiterhin ein gewisses Commitment, also eine regelmäßige Teilnahme, die Bereitschaft, das Projekt mit allen anderen Teilnehmenden zu tragen und in Bezug auf die Umsetzung der eigenen künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen Kompromisse einzugehen.

Unsere Kernarbeitszeiten sind voraussichtlich Mi 13–18 Uhr, Do 10–15:30 Uhr, Fr 10–15 Uhr.

Die maximale Teilnehmer*innenzahl liegt bei 15.

 

 


Strukturbaum
Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SoSe 2026 , Aktuelles Semester: WiSe 2026/27
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