Marat/Sade/Corday – Ein Theaterprojekt
Leitung: Martina Groß und Jens Roselt
Am 13. Juli 1793 wird der französische Revolutionär Jean Paul Marat in seiner Badewanne ermordet. Seine Mörderin ist Charlotte Corday. Die junge Aristokratin hatte sich im Untergrund radikalisiert und sich als Besucherin Zugang zu Marats Wohnung verschafft. Ein politischer Mord einer Idealistin oder die Wahnsinnstat einer Extremistin? Steht die strategische Heimtücke, das politische Motiv oder der naiv-provinzielle Versuch die Aufklärung „auf eigene Faust“ zu retten im Mittelpunkt?
1964, als es auf den Straßen nicht nur von Paris wieder zu brodeln begann, hat Peter Weiss ein Theaterstück über diesen Mord geschrieben. Es spielt fünfzehn Jahre nach der Tat in einer psychiatrischen Anstalt bei Paris. Ein Patient dieser Pflegeeinrichtung ist der berüchtigte Marquis de Sade. Als Regisseur inszeniert er das mörderische Geschehen mit anderen Insassen auf der Bühne des Pflegeheims. Das Theater ist eine Irrenanstalt.
Das Material von Weiss‘ Stück bietet vielfältige Bezüge zum Thema „taking care“. Marat ist krank. Er leidet an einer schweren Hautkrankheit. Der Pflegebedürftige sucht Linderung im Bade. Hier ist er seiner Mörderin wehrlos ausgeliefert, die sich als besorgte Besucherin des Patienten einschleicht. Inszeniert wird das Stück im Stück in einer Pflegeeinrichtung für psychisch Kranke. Theater dient der Therapie. Was denn nun? Ist das Theater eine Irrenanstalt oder ein therapeutischer Ort? Sorgt sich das Theater um die Menschen oder müssen wir uns Sorgen um das Theater machen?
Mit den Mitteln des Theaters im Theater untersucht Peter Weiss die Frage, welche Möglichkeiten das Politische im Theater in einer gesellschaftlichen Situation spielen kann, die durch Radikalisierung, Ideologisierung und Extremismus gekennzeichnet ist. Während Weiss im Titel mit Marat und de Sade zwei historische Männer prominent macht, lassen wir mit Charlotte Corday die Täterin ins Zentrum der Auseinandersetzung aufrücken.
Marat/Sade/Corday ist ein Theaterprojekt. Wir untersuchen die Handlung, die Figuren und die Sprache des Textes. Wir recherchieren eigenes Material zu den historischen Umständen und Personen und ermitteln Bezüge, die bis in unsere Gegenwart reichen. Wir entdecken die Uni als Irrenanstalt und inszenieren die Domäne als Hospiz. Wir suchen das Theater im Theater und machen unsere Recherche zur Performance. Wir proben so oft und so lange wie möglich, bis wir durchdrehen. Wir arbeiten an Dramaturgie und Szene, Darstellung und Performance. Gesucht werden Personen, die gerne auftreten und selbst entscheiden wollen, was sie auf der Bühne zu suchen und zu sagen haben. Wir arbeiten kollektiv und in Präsenz auf der Domäne. Projekttage (auch in Kleingruppen) sind Mittwoch bis Freitag (später auch Wochenendproben). Feste wöchentliche Präsenztermine für alle: jeden Mittwoch (18.00 Uhr – 21.00 Uhr) und jeden Donnerstag (10.00 Uhr – 16.00 Uhr).
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