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"Dann fliegt vor Einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen fort" (Novalis)
Wir lesen ein Semester lang den Sonettenkranz Das Schmetterlingstal von Inger Christensen. Das ist kein umfangreicher Text, aber gerade dadurch haben wir die Möglichkeit, sehr genau zu sein und überdies auf alle möglichen Kreuz- und Querverweise achtzugeben. Wir befassen uns mit der Form und ihrer Tradition, mit dem immensen Einfluss der dänischen Dichterin Inger Christensen gerade auf die deutschsprachige Gegenwartslyrik, mit ihrer Rezeption, mit den Übersetzungen und Nachdichtungen, mit dem Kontext eines formbewussten nature writing und der Lyrik im Anthropozän.
Diese Lektüren und Diskussionen werden immer zugleich damit verknüpft sein, dass wir gemeinsam (oder jede:r für sich) einen Kommentar zum Schmetterlingstal schreiben. Dieser Kommentar kann erklärend, kritisch oder wissenschaftlich sein, aber eben auch literarisch, weiterschreibend, die Dichtung Inger Christensens zum Anlass nehmen, eigene Texte und Überlegungen anzudocken, sei es als Essay, Erzählung, Prosa oder Gedicht. Und wenn es gut läuft, machen wir am Ende ein Buch daraus.
Da steigen sie, die Falter des Planeten In des Brajcinotales heißer Mittagluft Aus ihrem bittern Erdloch hochgebeten Hat sie das Berggebüsch, mit seinem Duft.
Als Bläuling, Trauermantel, Admiral Als Pfauenauge flattern sie umher Und taumelnd tun sie so, als ob im All Ein Leben wäre und nichts stürbe mehr.
Was für ein Seelenzauber wird mir hier geboten Mit Friedensanhauch, der mich süß betrügt Und Sommerahnung von verschwundnen Toten?
Mir sagt mein Ohr mit seinem tauben Klingen: Das ist der Tod, der dich mit Augen blickt Im Flügelschlag von allen Schmetterlingen. |