Erich Fromm (1900–1980) ist ein philosophischer Denker, der in der heutigen akademischen Philosophie weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Zugleich ist er durch erfolgreiche Bücher wie Die Kunst des Liebens oder Haben oder Sein auch heute noch vielen bekannt. Fromm war von 1930 bis 1939 ein wichtiges Mitglied des Instituts für Sozialforschung, aus dem die Frankfurter Schule hervorging. Die Pionierstudie des Instituts zum „autoritären Charakter“ von 1929/1930, die Fromm leitete, ist angesichts heutiger großer Herausforderungen für Demokratien wieder aktuell. Im Seminar wird es darum gehen, Grundlinien des Fromm’schen Denkens zu erschließen und zur Diskussion zu stellen.
Vier essentielle Themenbereiche bilden den Kern des Seminars:
1. Fromms philosophische Anthropologie 2. Ethik als angewandte Wissenschaft der Lebenskunst 3. Die Theorie des sogenannten „Gesellschaftscharakters“ und der einzelnen Typen des Gesellschaftscharakters (z.B. des autoritären Charakters) 4. Relevanz der Psychoanalyse und Fromms Verständnis von kritischer Theorie Zwischen diesen Themen bestehen enge, aber zu klärende Bezüge.
Ziel des Seminars ist es, herauszuarbeiten, was Erich Fromm als Philosophen auszeichnet, jedoch als einen philosophischen Denker, der in verschiedenen Disziplinen ausgebildet war und arbeitete. Anhand ausgewählter Texte zu diesen Bereichen soll im Seminar gefragt werden, ob nicht gerade die kreative Verbindung dieser Themen Fromm zu einem heute aktuellen philosophischen Denker und möglichen Impulsgeber angesichts der Probleme unserer Zeit macht. |