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In einer von Krisen bedrohten Gegenwart erlebt der Begriff der Fürsorge Konjunktur, wie die zahlreich stattfindenden Veranstaltungen und Ausstellungen in Deutschland zeigen (Berlinische Galerie, Museum Brandhorst, aber auch Summerschools und Vorlesungsreihen). Sie scheinen das Bedürfnis nach Heilung und Miteinander zu bewerben, indem sie aktiv an der Überwindung der von Nancy Fraser konstatierten „Krise der Fürsorge“ (2016) arbeiten. Faser machte damit auf die Abwertung von Fürsorgepraktiken in westlichen Gesellschaften aufmerksam, da Fürsorge gewissermaßen außerhalb der vorherrschenden kapitalistischen Logik operiert.
Vor diesem Hintergrund fokussiert sich das Seminar auf die Überlegung, inwiefern das Kuratieren von Ausstellungen als ästhetische Praxis sozialer Fürsorge verstanden werden kann. Schließlich leitet sich das Wort „Kuratieren“ etymologisch vom lateinischen Wort ‚curare‘ ab. Als ästhetische Praxis der Fürsorge, die bewertet, bewahrt und erzählt, lässt sich mit dem Begriff des „Kuratierens“ also nicht nur die Sorge um das ausgestellte und gesammelte Artefakt beschreiben, sondern auch um die historiografische und museale Erzählung.
Um diese These zu prüfen, werden wir zunächst zwei Ausstellungsbesuche in Hannover absolvieren, um die Auswahl und Anordnung von Kunstwerken und ihren dazugehörigen Ausstellungstexten in öffentlichen Institutionen zu diskutieren. Wir fragen, inwiefern in den Ausstellungen ethische Dimensionen der Sorge spürbar werden, inwiefern kuratorische Entscheidungen soziale Bruchstellen sichtbar oder unsichtbar machen, und inwiefern Ausstellungen als Orte der gesellschaftlichen Reflexion fungieren können. Im Anschluss werden wir in der begleitenden Lektüre überlegen, wie ein Fokus auf die Frage der Fürsorge gegenwärtige Repräsentationsdebatten entkräften kann und eine Perspektive auf das ‚postrepräsentative Museum‘ anbietet. Die Studienleistung kann durch Textpatenschaften, Reflexion und Kurzreferate absolviert werden. Die Prüfungsleistung erfolgt durch eine Seminararbeit.
Achtung: Online-Vorabbesprechung des Seminars am 6.11.2026 um 14 Uhr (ca. 60 min.) |