| Literatur |
• Byroum-Wand, Pegah: MachtKritikKollaboration. Praxisreflexionen zwischen Aktivismus, Museum und Universität, 2025. • Eickelmann, Jennifer/Burzan, Nicole: Machtverhältnisse und Interaktionen im Museum, 2022. • Baur, Joachim/Sternfeld, Nora (Hg.): Das radikaldemokratische Museum revisited. Handlungsräume für Bildung, Emanzipation und Öffentlichkeit, 2026. |
| Lerninhalte |
Museen sind in Machtverhältnisse verstrickt. Das zu kritisieren ist nicht neu, denn die Geschichte des modernen Museums ist eine Geschichte der Kritik. Das Erkennen, Hinterfragen und Transformieren von Machststrukturen gehört heute genauso zum Museum dazu wie das Bewahren, Ausstellen und Vermitteln von Geschichte und Kultur. Trotzdem wird im Diskurs immer wieder festgestellt, dass nur wenig nachhaltige und strukturelle Veränderung hervorgebracht wird und Museen sich bei der Frage nach Transformationsmöglichkeiten sowie nach ihrer eigenen Zukunft zumeist im Rahmen dessen ›neu‹ denken, was bekannt ist. Der reflexive Prozess, »ihre Einbettung in hegemoniale Machtstrukturen und den Profit, den sie daraus ziehen, kritisch [zu] reflektieren« (Byroum-Wand 2025: 8), spiegelt sich demnach vorrangig in temporären Projekten wider. Yvette Mutumba formuliert im Kontext der Dekolonialisierung von Museen, dass »[o]rganising an exhibition, conference, panel or performance on ›decolonization‹ and then moving on to ›the next topic‹ is not enough. As is not throwing around and overusing such notions until they lose their meaning« (Mutumba 2020). Leere Gesten und Buzzwörter sind folglich ein häufiger Effekt und werden etwa von Peggy Piesche und Carmen Mörsch darauf zurückgeführt, dass Museen schnell handeln und etwas verändern wollen, ohne in der Verstörung über das Ausmaß der Machtasymmetrien innezuhalten. Auch Josephine Apraku beschreibt im Rückgriff auf Nikita Dhawans Aufforderung ›Sit in Discomfort!‹ die Notwendigkeit, das Unbehagen, was durch die Kritik ausgelöst wird, »auszuhalten und anzuerkennen, dass es nicht sofort zu lösen, ihm nicht direkt zu entfliehen ist« (Schimanowski/Stahl/Apraku 2024: 99). Das Seminar stellt die These auf, dass die institutionelle Auseinandersetzung mit Kritik selbst in die kritisierten Machtverhältnisse verstrickt ist und beleuchtet vor diesem Hintergrund Umgangsformen und Kritikfähigkeit von Museen. Im Abgleich mit psychologischen Theorien und Modellen von Kommunikationsphänomenen soll folglich untersucht werden, wie Museen mit Kritik umgehen, welche Argumentationslinien angeführt sowie welche Maßnahmen für Transformation angestoßen werden und inwiefern diese Vorgehensweisen strukturelle Machtasymmetrien aufrecht erhalten. Dafür nutzen wir im Seminar sowohl theoretische Recherche mit einem Fokus auf die museale Entwicklungsgeschichte als auch Erfahrungsberichte von Akteur:innen aus Wissenschaft und Museum und tragen zusammen, welche Erkenntnisse sich aus den Untersuchungen für mögliche Transformationsprozesse ergeben können. Das Seminar richtet sich insbesondere an Masterstudierende, ist aber auch für Bachelorstudierende mit Interesse an Museen sowie an einer macht- und diskriminierungskritischen Auseinandersetzung mit Kulturinstitutionen und Kommunikationsformen geöffnet. |