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In einer Gegenwart, die von weltpolitischen Konflikten und gesellschaftlicher Spaltung gekennzeichnet ist, erscheint die Utopie als bedeutsame Fiktion und aktivistische Denkpraxis: Utopische Spekulationen, wie Hopepunk (Judith Vogt) oder Afrofuturismus, können neue Denkräume öffnen, Normen infrage stellen und damit gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Utopien gehen von der Gegenwart aus und denken diese weiter: das Aufgreifen gegenwärtiger Identitäts-, Gesellschafts- und Technik-Diskurse ist demnach immer auch eine Kritik an den Zuständen des Jetzt.
Während in den 80er-Jahren fliegende Autos und Hoverboards in der Populärkultur kursierten, steht im Zeitalter generativer Sprachmodelle (wie ChatGPT) Künstliche Intelligenz für das zukunftsverändernde Motiv der Jetzt-Zeit. Dies spiegelt sich in Form dystopischer und utopischer Spekulationen in literarischen und medialen Diskursen wider. Große Sprachmodelle (LLMs) beeinflussen aber auch Schreib- und Produktionsprozesse. Als „Schreibwerkzeuge“ halluzinieren sie Erzählsettings und ermöglichen neue Kollaborationen, gleichzeitig sind sie Limitationen unterlegen und immer auch in problematische Strukturen (z.B. Plattformkapitalismus) eingebettet.
Im Seminar setzen wir uns mit diesen Themenfeldern auseinander: Ziel ist es, spekulative Texte zu schreiben, die ausgehend vom gegenwärtigen „Zeitalter von KI“ eine utopische Zukunft imaginieren. Was passiert, wenn Chatbots friends und lovers werden? Wer schreibt in Zukunft unsere Bücher? Wem nützt Effizienz? Und wer trägt die ökologischen und sozialen Kosten der Recheninfrastrukturen? Um Settings zu entwerfen, beschäftigen wir uns zunächst mit dem Utopie-Begriff und lesen Science-Fiction um und über robotische Identitäten, transhumanistische Gesellschaftsformen und Künstliche Intelligenz. Wir reflektieren zudem technologische Entwicklungen im Bereich generativer KI. Dafür erproben wir z.B. verschiedene Schreibformen und Methoden: Wir schreiben allein, im Kollektiv, mit Tastaturen, Stiften und Prompts. Wir entwickeln mutable Identitäten, Monster, Lovebots, Politiker:innen, Staatssysteme. Zentral ist hierbei die Frage: Wie wollen wir leben? Und: Lässt sich diese Zukunft im transhumanistischen Kollektiv imaginieren?
Hinweis: Es bestehen Kooperationsmöglichkeiten mit dem Kommunikations/Grafikdesign der UDK Berlin, HFG Offenbach und HFK Bremen: Im Juni 2027 findet im Rahmen einer DFG-Konferenz (Das Wissen der Digitalen Literatur) eine Lehrkooperation statt, bei der digitale Publikationsformate und Schreibprozesse künstlerisch reflektiert werden. Eure spekulativen Texte könnten (bei Interesse) von Design-Studierenden im SoSe 27 als digitale Publikationen umgesetzt und publiziert werden. Weitere Infos dazu erhaltet ihr in der ersten Sitzung. Die Publikation & Freigabe der Texte ist selbstverständlich freiwillig. |