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‘What is this place?’ ” “I asked her” “ ‘It would be paradise,’ she said,” “ ‘but, as you see,” “it’s very dark,” “& always dark” “You will find that” “those who live here” “are changed” – Alice Notley, The Descent of Alette
In diesem Lyrikseminar widmen wir uns literarischen Bezugnahmen auf mythologische Erzählungen der Unterwelt. Ausgangspunkt ist der griechische Stoff um die Göttin Demeter und ihre von Hades entführte Tochter Kora/Persephone. Insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jh. erfährt dieser Stoff in zahlreichen Gedichten feministische Umdeutung und widersprüchliches Reclaiming: Unterwelt als Zone sexueller Gewalt ebenso wie sexueller Befreiung, als Raum der Unterdrückung ebenso wie als widerständiger Raum von Subalternen, als Hallraum abseitiger Sprechweisen, die der Zensur abgewonnen werden. Wir verfolgen nach einem Blick auf Homers „Hymnus an Demeter“ verschiedene Stadien lyrischer Bezugnahme auf diese von Unterwelt geprägte Tochter-Mutter-Beziehung, von Romantik bis zur zeitgenössischen Lyrik, von Westen nach Osten, wobei wir auch Schamanismus und koreanische Unterweltserzählungen streifen (u.a. Alfred Lord Tennyson, Heinrich Heine, H.D., Alice Notley, Rachel Zucker, Joyelle McSweeney, Polina Barskova, Theresa Hak Kyung Cha, Kim Hyesoon, Liv Thastum). Wir untersuchen gemeinsam die thematischen Entwicklungen und Inszenierungen intertextueller Referenzen. Ein besonderer Fokus liegt auch auf den poetischen Formen, die aus diesem „blackened space“ (Don Mee Choi) hervorgehen – vom Gegenepos bis zum Prosagedicht. In ergänzenden Schreibübungen erkunden wir diese Formen praktisch und erweitern dabei unser eigenes Repertoire. Denn wer weiß: Vielleicht ist das Schreiben in der Unterwelt keine Angelegenheit der Vergangenheit.
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