| Lerninhalte |
Bei dem dokumentarischen Theaterstück Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen aus dem Jahre 1965 handelt es sich um einen der wenigen im Schulunterricht gelesenen, aktuell aber in Vergessenheit geratenen Text des Autors Peter Weiss (1916-1982). Thematisiert wird der erste Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 auf der Basis von Prozessmaterial, das Weiss zum Teil selbst anfertigt, zum Teil aus Zeitungen etc. zusammenträgt. Die Teilnahme an der Gerichtsverhandlung bezeichnet er als „das Schrecklichste, was ich in meinem ganzen Leben erlebt habe“, dort herrsche im Prinzip das gleiche Verhältnis zwischen Henkern und Opfern wie zwanzig Jahre vorher im Lager, „nun natürlich auf einer so genannten zivilisierten Ebene.“[1] Geplant war der Text ursprünglich als Teil einer Trilogie in Anlehnung an Dante Alighieris Divina Commedia, die sich an den Jenseitssphären des Paradiso, Inferno und Purgatorio orientieren sollte. Eine Beschäftigung in der Schule rückt langsam in den Hintergrund, während das Stück immer wieder aufgeführt wird und zuletzt unter der Regie von RP Kahl im Jahr 2024 verfilmt wurde.
In dem Seminar werden wir uns intensiv mit dem Text auseinandersetzen sowie die künstlerischen Bearbeitungen kritisch in den Blick nehmen und diskutieren. Darüber hinaus ist eine Exkursion nach Bremen vorgesehen, wo der Autor den Großteil seiner Kindheit zwischen 1918 und 1929 verbrachte. Dort nehmen wir am 27. November an einem Stadtspaziergang entlang der biographisch bedeutsamen Orte des Autors teil sowie an einer kleinen Tagung zu Peter Weiss. Details werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
[1] Zitiert nach Werner Schmidt, S. 78; aus einem Interview mit Peter Weiss von Ingegerd Lundgren, 8.4.1979, Sveriges Radio, 5472-78/2517, in: PWA, sign. 2530.
|