Dem Hoch- und Tiefdruckverfahren ist gemeinsam, dass sie – im Gegensatz zu digitalen Grafikwerkzeugen – nicht die Möglichkeit bieten, getroffene Entscheidungen rückgängig zu machen. Jede eingeritzte Linie, Vertiefung oder Aussparung lässt sich kaum oder gar nicht korrigieren. Der gestalterische Prozess – sei es das Vertiefen der Radiernadel auf der Druckplatte, das Ausschneiden mit dem Linolmesser oder das Einätzen von Vertiefungen in die Oberfläche einer Zinkplatte – zwingt zu bedachteren Entscheidungen. Gesetzte Linien oder geschnittene bzw. geätzte Flächen sind endgültig und verbindlich. Fehlerhafte Entscheidungen müssen daher akzeptiert werden.
Dieser Umstand birgt den Zufall als gestalterisches Mittel in sich: Der ungewollte Schnitzer oder die entglittene Linie ermöglichen das Improvisieren mit dem widerständigen Material. Das Eliminieren als solches erfordert den Mut, eine gestalterische Entscheidung konsequent zu Ende zu führen oder zu improvisieren um einen ungeahnten Weg einzuschlagen.
Das Seminar baut auf dem zuvor erworbenen Grundlagenwissen zu Hoch- und Tiefdrucktechniken auf. Wie bereits im Basismodul erarbeiten die Teilnehmer*innen eigene grafische Motive in Form von seriellen Druckgrafiken zu einem vorgegebenen Thema. Dieses bietet einen thematischen Rahmen, um individuelle künstlerische Entwürfe zu entwickeln. Der Fokus liegt dabei auf der Vertiefung des erlernten Wissens über Drucktechniken wie Kaltnadelradierung, Strichätzung, Aquatinta und Linolschnitt. Den Teilnehmer*innen steht es frei, den Schwerpunkt entsprechend ihrer persönlichen Präferenzen auf bestimmte Drucktechniken zu legen.
Zum Abschluss des Seminars entwickeln die Studierenden gemeinsam ein Ausstellungskonzept, das sie eigenständig umsetzen. Die Ergebnisse ihrer künstlerischen Arbeiten werden im Rahmen einer Werkschau präsentiert. |