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Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts ist keine Disziplinargesellschaft mehr, wie Foucault sie beschrieben hat: Die Gefängnisse, Kasernen, Fabriken, Schulen und Hospitäler haben ihre Gestalt verändert. Heute herrscht das Prinzip des Unternehmens, das Individuen in Gegensatz zu einander bringt, Rivalität als produktiven Wetteifer bezeichnet und Prekarisierung als Flexbilität. Intrinische Motiviation und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen werden vorausgesetzt. Machtausübung ist letzlich nicht verschwunden, sondern bloß subtiler geworden. Wir haben sie verinnerlicht in einer freiwilligen Unterwerfung unter die Forderungen des Marketing (Selbstvermarktung, unternehmerisches Selbst, maximale Flexibilisierung, Selbstevaluation und Selbstoptimierung). Wir sind zu Leistungssubjekten geworden, deren Kehrseite sich in Phänomenen des Nicht-Mehr-Könnens (Müdigkeit, Depression, Selbstvorwürfe, Autoaggression) ausdrückt. In diesem Seminar setzen wir uns mit Gesellschaftskritik aus der Perspektive zeitgenössischer Theoretiker und vor dem Erfahrungshintergrund unserer eigenen Studienrealität auseinander. Wir fragen kritisch nach den gewonnenen Freiheiten und Risiken der digitalen Welt. Im Hintergrund steht die visionäre Frage “Was für eine Gesellschaft wollen wir?” – und die philosophische Reflexion darüber, welchen Beitrag geisteswissenschaftliche und künstlerische Bildung leisten kann. |