| Lerninhalte |
Als krisenhaft erfahrene Zeiten und Phänomene scheinen nicht selten Impulse und Praktiken der Sorge zu verstärken oder überhaupt erst hervorzurufen. Dieser Eindruck bestätigt sich einmal mehr, blickt man auf die aktuelle Popularität des Diskurses zur Sorge in den Künsten und Kulturwissenschaften. Doch Sorge und Fürsorge sind keineswegs rezente Erscheinungsweisen postindustrieller Gesellschaften. Vielmehr sind sie mehr als eine anthropologische Grundbedingung. Dabei ist Sorge, wenn nicht als soziale, so doch als relationale und auch interspeziesistische Praxis zu betrachten. Im Seminar werden Theorien zur Sorge gelesen und erörtert. Darüber hinaus werden unterschiedliche Ästhetiken, Dramaturgien und Praktiken in den Blick genommen, die eine heilende oder reparative Funktion beanspruchen. Untersucht werden soll auch, inwieweit sich als sorgend verstehende Ästhetiken, auch Praktiken der Zugänglichkeit schaffen. Wie bringen Performances wie der von Showcase Beat Le Mot initiierten „Raven mit Long COVID“ (2024) neue Strukturen des füreinander Sorgens hervor? Wie profitieren nicht oder schlecht sehende Personen von künstlerischen Audiodeskriptionen? Welche Praktiken und Ästhetiken der Reparatur Sorgen für ein Miteinander im Zeichen der Nachhaltigkeit? Das Spektrum der Betrachtungen im Seminar reicht hier von der Erörterung individueller Sorge Strukturen und -tätigkeiten bis hin zu unterschiedlichen Sorge-Beziehungen vor dem Hintergrund der ökologischen Krise. Literatur u.a.: Zürner, Christian: Ästhetische Sorgen. Eine Theorie der Kunst, Bielefeld 2020. Engelmeier, Hannah: Trost. Vier Übungen, Berlin 2021. |