Seit 2005 findet in Hildesheim alle drei Jahre eines der wichtigsten und spannendsten deutschsprachigen Literaturfestivals statt: Das PROSANOVA – Festival für junge Literatur. Im Jahr 2026 ist es wieder so weit: Vom 3.–5. Juli wird Hildesheim wieder zum Ort einer Literatur, die das bedruckte Papier verlässt und in Formaten jenseits der üblichen „Wasserglaslesung“ (Stephan Porombka) die Bühne betritt. Diese Gelegenheit wollen wir mit diesem Seminar nutzen, um uns mit der Gegenwartsliteratur und ihrer Präsentation auf einem Literaturfestival zu beschäftigen. Dabei sollen vor allem drei Dimensionen im Fokus stehen: Vermittlung: Autorenlesungen im Allgemeinen und Literaturfestivals im Besonderen sind Instanzen der Literaturvermittlung, die in der Gegenwart zunehmend an Bedeutung gewinnen. In literaturdidaktischer Hinsicht können sie als außerschulische Lernorte mit enormem Potential für literarisches und mediales Lernen in den Blick genommen werden. Inszenierung: Literatur ist, auch wenn das durch die Dominanz der Schriftlichkeit in der „Gutenberg-Galaxis“ (Marshall McLuhan) in den Hintergrund geraten ist, seit jeher ein performatives Medium. In der Gegenwart nun gewinnt der Vortragscharakter literarischer Rede von neuem an Bedeutung. Auf Literaturfestivals wie dem PROSANOVA lassen sich Formen und Formate einer Literatur erleben, die Texte mit neuen Medienformaten verbinden und sie zu einer Praxis im sozialen Raum erweitern. Eventisierung: Literaturfestivals finden – auch wenn sie selten ohne öffentliche Förderung auskommen – unter den Bedingungen eines kompetitiven literarischen Felds statt. Angesichts zurückgehender Buchverkäufe gewinnen Live-Veranstaltungen an Bedeutung. Zugleich lassen sich solche Festivals als Teil einer „zunehmenden alltagskulturellen Eventisierung“ (Barbara Schaff) analysieren – und kritisieren. In diesem Blockseminar wollen wir uns zunächst in vorbereitenden Sitzungen mit diesen drei Dimensionen des Phänomens „Literaturfestival“ beschäftigen. Den Kern des Seminars bildet dann aber das Festivalwochenende vom 3.–5. Juli 2026. Hier werden wir unabhängig voneinander Lesungen und Veranstaltungen besuchen, uns zwischendurch aber auch zu gemeinsamen Sitzungen treffen, in denen wir uns über das Gesehene austauschen und unsere Erfahrungen reflektieren. Die Prüfungsleistung in diesem Seminar wird in einem theoretisch informierten Blog- oder Podcastbeitrag bestehen. |