| Literatur |
- Bühler, Patrick/Bühler, Thomas/Osterwalder,Fritz (Hrsg.). 2013. Zur Inszenierungsgeschichte pädagogischerErlöserfiguren. Bern: Haupt.
- Holm, Anders. 2025. N.F.S. Grundtvig. DerReformator und Begründer des modernen Dänemarks. Göttingen: Vandenhoeck& Ruprecht.
- Klemm, Ulrich/Walther, Anne. 2023. ‚Bildung durchBegegnung‘. Nicolai Frederic Severin Grundtvigs Wirkung in der deutschenErwachsenenbildung und Heimvolkshochschulbewegung nach anderthalbJahrhunderten. Pädagogische Rundschau 77, no. 2: 223-240.
- Maier, Alexander. 2015. Bildung zur Nation.Geschichtserzählung und kulturelle Identität als sakral-pädagogisches Programmbei Nikolai Grundtvig. Bildungsgeschichte. International Journal for theHistoriography of Education 5, no. 2: 162-181.
- Maier, Alexander. 2011. Bildung im Drama.Nikolai Grundtvigs Praktische Theologie – wegwesend für eine solidarischeGestaltung von Kirche und Gesellschaft. Würzburg: Echter.
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| Lerninhalte |
In seinem Vorwort zu Anders Holms neuem Band über den dänischen Theologen und Pädagogen Nikolai Grundtvig hält Peter Buhrmann, Geschäftsführer des Verbandes der Bildungszentren im ländlichen Raum e.V., fest, dass dessen Konzeption der Volkshochschule bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Vermittlung eines demokratischen Bewusstseins der Lernenden beinhaltet habe und die Auseinandersetzung mit Grundtvigs Theorie der Bildung gerade angesichts einer von rechter Politik herausgeforderten Demokratie besonders bedeutsam sei. Diese Behauptung reiht sich in eine unkritische Rezeption Grundtvigs ein, die für pädagogische Kontexte nicht unüblich ist. Häufig werden pädagogische ‚Lichtgestalten‘ wie Pestalozzi oder Montessori zu zentralen Gewährsleuten von Erziehung stilisiert, wobei deren Slogans wie z.B. ‚Herz, Kopf, Hand‘ oder ‚Erziehung vom Kinde aus‘ unreflektiert weitergetragen werden und Probleme in Schule und Erziehung lösen sollen. Dabei wird die Ambivalenz dieser pädagogischen ‚Heilsgestalten‘ unterschlagen. In der Tat war Grundtvig Verfechter freiheitlichen Denkens in Kirche und Gesellschaft und seine Volkshochschule sollte Menschen befähigen, sich in einer demokratischen Gesellschaft aktiv zu beteiligen. Doch war er zugleich ein glühender Nationalist, der transkulturelle Entwicklungen vehement bekämpfte und dessen Forderung nach einem freien Dialog der Lernenden und Dozierenden an der Volkshochschule in einem starken Gegensatz zu seiner oft apodiktischen Haltung in Debatten stand, bei denen er etwa seinen Gegnern in der dänischen Staatskirche fehlenden Glauben attestierte. Insofern ist die ‚wahre‘ Aufklärung, die er als Ziel seiner Volkshochschule propagierte, eine äußerst schillernde Mischung. Im Seminar soll Grundtvig als Person, der historische Kontext seines Wirkens und vor allem sein pädagogisches Werk kritisch analysiert und danach gefragt werden, ob und inwieweit Grundtvig für die pädagogische Diskussion der Gegenwart, in der die Demokratie gefährdet scheint, noch relevant sein kann. Die Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zu historischer Quellenarbeit und zur Auseinandersetzung mit dem theologischen Hintergrund des Protagonisten voraus. |