Interpretation ist tot. Es lebe die Interpretation!
Wer in Hildesheim Philosophie studiert, hat ein künstlerisches Nebenfach. Und in jedem dieser Fächer ist „Interpretation“ sowohl Kernaufgabe als auch Kernherausforderung. Das Problem der Interpretation ist traditionell Sache der Hermeneutik. Doch gilt diese philosophische Disziplin als mit Gadamer beendet und fristet seither angeblich ihr Dasein als Hilfsdisziplin anderer Geisteswissenschaften.
Dieser Eindruck ist eine kritische Täuschung! Die Philosophie darf sich die Frage der Interpretation nicht aus der Hand nehmen lassen!
Denn in Zeiten, in denen KI die Zusammenfassung und Deutung komplexer Texte erledigt, digitale Übersetzungen den interkulturellen Austausch bestimmen und die internationale Politik der Kunst und den Geisteswissenschaften den Kampf angesagt hat, steht mit der Hoheit über die Interpretation viel mehr auf dem Spiel als nur Deutschnoten. Klassische Aufgabengebiete der Hermeneutik – Sprachphilosophie, Philosophie der ästhetischen Erfahrung, Kritik der eigenen Denktradition und dialogische Subjektphilosophie – sind relevanter denn je.
Aber wie kann sich die Philosophie die Kernfragen der Hermeneutik wieder produktiv aneignen? Welche Aufgabe und Gestalt hat eine zeitgemäße Philosophie der Interpretation?
Um diesen Fragen zu begegnen, wird ein Mix aus klassischen Positionen der Hermeneutik und neuesten Auseinandersetzungen gelesen. Die Lektüreliste ist offen für Vorschläge.
Das Ziel ist, dass die Teilnehmenden zu einer reflektierten, kenntnisreichen Position bezüglich ihrer Identität zwischen Philosophie und Kunst und der diese Felder verbindenden Frage der Interpretation in ihrer gegenwärtigen Relevanz gelangen.
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