In diesem Seminar wollen wir gemeinsam der problematischen Beziehung zwischen Nietzsche und Buddhismus nachgehen. Auf Ähnlichkeiten zwischen Nietzsche und Buddhismus wurde in der Forschung vielfach hingewiesen - typischerweise wird die Ähnlichkeit zwischen Nietzsches Philosophie und Buddhismus herausgestellt, manchmal wird auf entscheidende Differenzen der beiden oder sogar Nietzsches "Fehlinterpretation" des buddhistischen Denkens hingedeutet. Für Nietzsche, der "mit dem Hammer" gegen den Substanzbegriff und das Christentum philosophierte, war der Buddhismus eine äußerst wichtige Inspirationsquelle. Der Buddhismus stellte für Nietzsche eine Möglichkeit dar, einen "gesunden" Pessismus zu denken, im Gegensatz zum Nihilismus der Moderne. Aber er akzeptierte natürlich nicht kritiklos den traditionellen Buddhismus als Ganzes, sondern forderte einen "europäischen Buddhismus", den sein Denken schließlich leisten hätte sollen. Bei einer genauen Lektüre der nietzscheanischen Hauptbegriffe wie "Wille zur Macht", "Übermensch" "dionysisch-apollinisch" können wir dann Schritt für Schritt analysieren, inwieweit seine Kerngedanken vom Buddhismus inspiriert sind, oder aber auch sich davon absetzen. Wir werden in unserer Lektüre einen Querschnitt durch Nietzsches Werk machen, vom Früh- bis Spätwerk, wobei das Werk "Anti-Christ" im Zentrum stehen wird. Gleichzeitig werden wir einen guten Anteil des Seminars dazu verwenden, die Grundbegriffe des Buddhismus anhand von wichtigen Primärtexten kennenzulernen. (Und natürlich gibt es nicht "den Buddhismus", sondern eine Vielzahl von Traditionen: Urbuddhismus, Prajnaparamita, Zen usw.) Im Seminar wird interkulturell-komparativ gearbeitet und es eignet sich besonders für diejenigen, die sich für eine vergleichende Methodik interessieren. [Das Seminarangebot "Sich selbst lesen" verschiebe ich auf ein spätes Semester, da die Überschneidung mit Projektsemester unproduktiv scheint.] |