| Literatur |
Dylan Robinson: Hungry Listening. Resonant Theory for Indigenous Sound Studies, University of Minesotta Press, Mineapolis 2020
Margo Neale & Lynne Kelly: Songlines. The Power and Promise, Thames&Hudson, Melbourne 2020
Irene Revell&Sarah Shin: Bodies of Sound, Silver Press, Glasgow 2024, |
| Lerninhalte |
Close Listening. Explorations in sonic relationality
Was haben wir vor? Im Zentrum des Projekts steht das Hören als relationales, körperliches und affektives Weltverhältnis. Als solches steht es für einen sorgenden, "caring" Umgang mit menschlichen und nicht-menschlichen Lebewesen und für ein aktives Aufmerksamkeit Schenken. Wir werden uns im Projekt mit diesem sorgenden Hören auf zwei Pfaden beschäftigen:
Donna Haraway hat den Begriff "natureculture" geprägt, um sich von der polaren Gegenüberstellung von Natur und Kultur im traditionellen westlichen Denken zugunsten einer relationalen Sichtweise zu verabschieden, in der Natur und Kultur untrennbar zusammenhängen und Kultur nicht nur dem Menschen vorbehalten bleibt. Daran anschließend werden wir uns mit indigenen Wissensformen beschäftigen und der Rolle, die das Hören darin spielt. Zentrale Texte werden Hungry Listening. Resonant Theory for Indigenous Sound Studies von Dylan Robinson (2020) sein und Songlines. The Power and Promise von Margo Neale & Lynne Kelly (2023). Basierend auf einer Care-Beziehung MIT der Natur ("Custodian of the Land") unterbrechen solche Wissensformen ein westliches Verständnis von Natur und bringen Natur - Mensch - Zeit - Spiritualität - Kreativität - Community in einen anderen Zusammenhang. Wir beschäftigen uns auch mit künstlerischen-wissenschaftlichen Projekten (Klanginstallationen, Soundscape Kompositionen, Klangaktivismus, akustische Ökologie, Z.B. von Tania Rubio, Marcus Maeder oder FrauVonDa.), die beispielsweise das Artensterben über ein allmähliches und hörbares Verstummen der "Natur" erfahrbar machen.
Der zweite Pfad ist die musikalische (aber auch szenische) Improvisation als sozialer Raum und kollektive, verkörperte Praxis. Hier werden wir von dem Pianisten, Improvisator, Komponist und Kurator Jan Hellwig unterstützt. Insbesondere in Formen der freien Improvisation wird sinnlich und praktisch erfahrbar, was Donna Haraway mit ihrem Konzept der "response-ability" meint: eine Antwortfähigkeit und Verantwortung, die nicht aus dem Subjektiven hervorgeht, sondern aus einer kollektiven Praxis, in deren relationalem Vollzug sich Subjekte allererst herausbilden. Das gemeinsame Improvisieren soll - durchaus im Sinne eines Rituals oder von Exezitien - über die gesamte Dauer des Projektsemesters zu einer regelmäßigen Übung werden, in der wir den Momenten des Kollektiven und Subjektiven, des Flows und der Widerstände Raum geben und versuchen, auf die andere Seite des Kanons zu gelangen. Dabei werden wir uns mit unterschiedlichen Formen von freier Improvisation, offenen oder halboffenen Formen (von Pauline Oliveros bis Frank Zappa), grafischen Partituren, patternbasierter Improvisation und Bewegungs-Scores beschäftigen; mit Instrumenten und Stimme, aber auch analogen und digitalen Synthesizern, loop stations, Rechnern etc. Es können aus den Improvisationen Kompositionen entstehen, und wir werden sowohl in der großen Gruppe als auch in kleineren Ensembles arbeiten. Zum Material können hier auch die eigenen Soundscapes und Field Recordings werden.
Wie werden wir arbeiten? Wir werden kontinuierlich hin- und herpendeln zwischen theoretisch-inhaltlicher Arbeit (Recherchieren, Lesen, Diskutieren; in Kleingruppe und/oder Plenum) und praktischer musikalisch-szenischer Arbeit und versuchen, beides eng aufeinander zu beziehen. Ausgehend von feministischen Ansätzen (wie z.B. denen von bell hooks, Audre Lourde oder Sara Ahmed) sollen Praktiken, die für ein care-sensibles Miteinander sorgen, zentral für Aufbau und praktische Umsetzung des Projekts und eine care-zentrierte Arbeitsatmosphäre geschaffen werden. Wir werden dezidiert interdisziplinär arbeiten und versuchen, alle Kunstformen, die Sie bespielen wollen, mit einzubringen und in Beziehung zueinander zu setzen. Wir arbeiten Mi und Fr 10-17 Uhr und Do 10-16 Uhr (im Anschluss ist die Ringvorlesung), aber nicht immer in Präsenz und in einem Wechsel von Gesamtgruppe und kleineren Teams.
Für wen ist das Projekt gedacht? Sind Vorkenntnisse erforderlich? Das Projekt wird interdisziplinär arbeiten, hat aber schon einen Schwerpunkt im Bereich Musik und Szene/Performance. Musikalische Vorkenntnisse sind erwünscht aber nicht erforderlich. Bei der freien Improvisation kann es gerade auch interessant sein, nicht in bestimmten Formen und Ausdrucksweisen befangen zu sein. Ebenso bietet das Improvisieren mit Elektronik und Sounds gute Einstiegsmöglichkeiten. Voraussetzung ist in jedem Fall Interesse und Lust am Hören, am sich Einlassen auf experimentelle Klangarbeit, auf Performance sowie auf kollektive Prozesse.
Was für eine Abschlusspräsentation ist geplant? Die konkrete Form unserer Präsentation muss natürlich im Prozess erst noch gefunden werden. Aber zunächst ist der Plan, dass es auf eine musikalisch-szenische live Performance hinauslaufen soll. Als Teil davon oder als alternative oder ergänzende Formate wären aber auch installative Formen oder etwas Hörspielartiges gut denkbar.
Leitung: Rosanna Lovell, Matthias Rebstock und Jan Hellwig (Improvisation)
|