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Die Philosophie in Europa hat sich traditionell als 'Vernunftwissenschaft' verstanden, als eine Art der Forschung, die durch Gebrauch der Vernunft oder 'rationale Argumentation' der Wahrheit auf die Spur kommt. Es hat aber immer auch skeptische Stimmen gegeben, die die Grenzen der menschlichen Vernunft ins Bewusstsein rufen wollten. Diese 'Kritik der Vernunft' nimmt in der neuzeitlichen und modernen Philosophie - seit Kants drei Kritiken - einen zentralen Platz ein. Die Vorlesung stellt zunächst die Frage (1) Was ist Vernunft? Dazu betrachten wir die sehr optimistischen Ideen der menschlichen Vernunft in der Antike und der neuzeitlichen Aufklärung. In einem weiteren Schritt stellen wir die Frage (2) Was ist Kritik der Vernunft? Hier werden wir verschiedene Formen von Vernunftkritik kennenlernen, von Kants Selbstkritik der Vernunft bis zu radikaleren Formen in der modernen Philosophie. Am Ende stellt sich die Frage (3) Was bleibt von der Vernunft? Was wird angesichts der Kritik der Vernunft heute aus der Vernunft? Können wir überhaupt auf Vernunft verzichten? Wenn ja - was tritt an die Stelle der Vernunft? Und wenn nein - was kann Vernunft dann heute sinnvollerweise sein? |