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Mit dem Ziel, eine barrierefreie Teilhabe für blinde und sehbehinderte Personen zu ermöglichen, wird Audiodeskription beispielsweise im Bewegtbild, in den darstellenden Künsten, in Ausstellungen oder beim Sport eingesetzt. Im Filmbereich gibt es bisher kaum kreative Auseinandersetzungen mit Audiobeschreibungen. In der Regel werden sie nachträglich hinzugefügt, wodurch sie vom künstlerischen Prozess des Filmemachens ausgeschlossen werden. Damit bleibt Barrierefreiheit weiterhin ein möglichst unauffälliges Serviceangebot für ein behindertes Publikum. Was aber wäre, wenn Audiodeskription von Beginn an in den künstlerischen Prozess eingeplant werden würde? Wenn Audiodeskription im Film über eine klassische, neutrale Übersetzung visueller Informationen hinausginge, mit Sprache und Sounds experimentieren würde? Wenn einem blinden und sehbehinderten Publikum ein sinnlich-atmosphärischer Zugang zu Film ermöglicht wäre, der seinem eigenen Wahrnehmungsstil entspräche? Welche neuen Ästhetiken im Film würden entstehen? Wie würde dies die Produktionsbedingungen im Film verändern? Inspiriert von der künstlerischen Praxis der „aesthetics of access” in den darstellenden Künsten wollen wir uns in diesem Seminar mit den Möglichkeiten einer kreativen Audiodeskription im Film beschäftigen. Ausgehend von dem sozialen Modell von Behinderung bezeichnen aesthetics of access eine Praxis, in der Barrierefreiheit von Beginn an in den künstlerischen Prozess einbezogen wird. Weitere Grundsätze sind die Mitarbeit von Kunstschaffenden mit Behinderung und die Entwicklung von Ästhetiken der Barrierefreiheit, die genauso vielfältig sein können wie die Kunst selbst.
Schwerpunkte des Seminars liegen auf der Beschäftigung mit Disability Studies, Barrieren im Film, aesthetics of access, Hörfilmen und filmischen Arbeiten, die bereits eine künstlerische Auseinandersetzung mit Audiobeschreibungen anstreben. Dabei werden sowohl Fragen zum Einsatz menschlicher im Vergleich zu künstlich erzeugten Stimmen im Film verhandelt, als auch filmische Beschreibungen fokussiert, die zur Schaffung einer sinnlichen und räumlichen Erfahrung beitragen. In der dazugehörigen Übung gibt es Raum, Überlegungen aus dem Seminar in der Praxis auszutesten. Die Übung findet in Zusammenarbeit mit Sabine Kuxdorf statt. Sabine Kuxdorf ist eine blinde Performerin, Accessdramaturgin, Autorin für Audiodeskription und Beraterin für die Planung von barrierearmen Veranstaltungen. Als studierte Sozialarbeiterin legt sie ihrer Arbeit die Disability Studies und verschiedene Empowermentkonzepte zu Grunde. Die Teilnahme von Studierenden mit Behinderungen ist in den Lehrveranstaltungen besonders erwünscht. Bedarfe können vorab gerne per Mail kommuniziert werden. |