| Bemerkung |
Studienleistung: wird zu Beginn bekannt gegeben.
Modulabschluss nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Ansprechpartnerin: Dominika Cohn
Kai van Eikels ist Philosoph sowie Theater- und Literaturwissenschaftler. Er hält Gastprofessuren an der JLU Gießen, der FU Berlin und der Universität Hildesheim. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war er an künstlerischen Projekten und Kooperationen beteiligt u.a. mit der Geheimagentur, den Chicks on Speed, Xavier Le Roy und Koki Tanaka. |
| Lerninhalte |
Kapitalismus as usual bei fortschreitender Klimakatastrophe; das System Trump; eskalierende Kriege; immer mehr Staaten, die ins Rechtsautoritäre driften… Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in ihrer massiven Furchtbarkeit kann man sich fragen, ob das Konzept einer politischen Kunst überhaupt noch zu überzeugen vermag. Was können denn künstlerische Praktiken – d.h. sozial und ökonomisch schwache Praktiken von Wenigen für Wenige, oft flüchtig, verwirklicht mit dem eigenen Körper und billiger, allgemein verfügbarer Technologie – ausrichten gegen die Allianz zwischen Regierungen, deren Macht gedeckt ist von militärischer und polizeilicher Gewalt, und Konzernen, die unser Leben nicht allein durch ihr Geld, sondern mehr noch durch unsere materielle Abhängigkeit von ihren Produkten bestimmen? Das Seminar will diese Frage nicht als Frustrationsseufzer ausstoßen, sie vielmehr ernsthaft stellen: Was heißt politische Ästhetik, wenn wir von Kunst als etwas Schwachem ausgehen? Und mehr noch: etwas, das bei Schwächen ansetzt und Wege zu finden versucht, um diese zur Geltung zu bringen – seien es physische, kognitiv-psychische, kommunikative Schwächen. Das nur in sehr bescheidenem Maße als Verstärker funktioniert und am ehesten dort einen Unterschied macht („a difference that makes a difference“), wo es gelingt, Ermächtigung von den Zwängen der Verstärkungslogik zu lösen. Es wird darum gehen, Schwäche von Ohnmacht abzuheben und sehr konkret die Relativität von Kräfteverhältnissen zu analysieren: Wie steht es bspw. um die Wirksamkeit des Flüsterns oder Arbeitens mit leisen Geräuschen? Oder um die des Sich-Entschuldigens? Welche Wirkungspotenziale wohnen körperlichen Erschlaffungszuständen wie Ruhen, Schlafen/Träumen, gemeinsamem Abhängen inne? Wie geht Kunst mit dem hilfe- und pflegebedürftigen Körper und seinem stets prekären Leben um, wie mit dem selbst nur begrenzt strapazierbaren Körper, der sich kümmert und Care-Arbeit leistet? Was für Optionen eröffnet ein (scheinbar oder tatsächlich) sanfter Ansatz wie Healing als Alternative zu Ästhetiken des Widerstands, des Widerstreits oder der kritischen Dekonstruktion? Verändert ein ökologisches Verständnis von Wirkung, das den Fokus weiter aufzieht und statt einzelner Aktionen und Reaktionen komplexe Interferenzzusammenhänge in den Blick nimmt, unsere Vorstellungen von stark und schwach – und ermutigt zu Experimenten mit weak performance oder economic degrowth, vielleicht sogar zum Wunsch nach einem weniger martialisch defensiven, mehr gestattenden Immunsystem? Anhand dieser und weiterer Themen soll das Seminar Gelegenheit bieten, sowohl grundsätzliche Bewertungskriterien von Kunst zu überdenken (warum nennen wir eine Arbeit „stark“, wenn wir sie gut finden?) als auch aus der Praxis heraus neu über Wirksamkeit nachzudenken. Das Seminar ist bezogen auf die Tagung „Macht ≠ Stärke: Schwache ästhetische Praktiken“, die ich zusammen mit dem Graduiertenkolleg „Ästhetische Praxis“ am 29. und 30. Januar 2026 auf der Domäne veranstalte. Es ist geplant, als Teil der Seminarleistung auf Tagungsbeiträge zu respondieren und dies auf der Tagung zugänglich zu machen. Wer am Seminar teilnehmen möchte, plane deshalb bitte die Teilnahme an der Tagung mit ein. |