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Dem weltweiten Erstarken populistischer Bewegungen und autokratischer Regierungsformen kann nur dann erfolgreich begegnet werden, wenn es gelingt, Demokratie im Alltag erfahrbar zu machen. Insofern fragen wir danach, wie demokratische Praktiken und Selbstverständnisse unser alltägliches Miteinander orientieren können, noch bevor wir, etwa als Wählerinnen und Wähler, an institutionalisierten Prozessen deliberativer Entscheidungsfindung teilnehmen. Wir schlagen vor, Demokratie als Lebensform zu verstehen, die das Wie des alltäglichen Miteinanders in einer nicht-exklusiven Weise zu gestalten sucht. Mit dem Projekt zielen wir darauf ab, eine gehaltvolle, insbesondere an pragmatistischen Ansätzen informierte Theorie demokratischer Lebensformen zu entwickeln, die wir normativ in einer Ethik der Kohabitation verankern wollen. Diese Ethik der Kohabitation entwickeln wir ausgehend von Hannah Arendt und ihrer neueren feministischen Rezeption. Sie trägt insbesondere dem Umstand Rechnung, dass der Anspruch der gemeinsamen Gestaltung gemeinsamer Angelegenheiten, der mit der abendländischen Idee der Demokratie einhergeht, nicht an den Grenzen des über einen Gesellschaftsvertrag definierten demos endet. Wir wollen vielmehr zeigen, dass die eigentliche demokratische Aufgabe, vor der wir heute stehen, die Ausgestaltung des Verhältnisses zu denjenigen betrifft, mit denen wir unfreiwillig assoziiert sind, etwa durch das gemeinsame Bewohnen eines Ortes oder das gemeinsame Ausgesetzt-Sein gegenüber sozialen und ökologischen Vulnerabilitätsrisiken. Wir verteidigen die Auffassung, dass es ein Merkmal demokratischen Zusammenlebens ist, mit Formen unfreiwilliger Assoziation oder ungewählter Kohabitation nicht nur kompetent umgehen zu können, sondern sie auch affektiv als wertvoll und freudebringend auszuzeichnen. |