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Die Popkultur hat ein ambivalentes Verhältnis zu Geschichte und Geschichtsschreibung. Es ist offensichtlich, dass populäre Artefakte und Prozesse sich nicht um historische Tatsächlichkeit kümmern (müssen). Der Popkultur fehlende historische Wahrhaftigkeit vorzuwerfen – so die These des Seminars – geht an ihrer grundlegenden Gegenwartsorientierung, ihrer Zeitgenossenschaft vorbei. Gleichzeitig beziehen sich unzählige populäre Artefakte auf Geschichte, auf historische Tatsachen und Personen des kollektiven Gedächtnisses. Nicht zuletzt das Genre des Biopic hat in den letzten zwei Jahrzehnten populäre Figuren und Stars selbst popularisiert und einen gewissen Biopic-Boom ausgelöst, der durch Hamilton auch auf die Musical-Bühne schwappte: Fast kein Star, der nicht schon seinen eigene Film bekommen hätte: angefangen von Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon als Johnny und June Carter Cash in Walk the Line bis Timothée Chalamet als Bob Dylan im kürzlich erschienenen Like a Complete Unknown.
Dabei gibt es das populäre Genre bereits seit fast hundert Jahren und es ist tief verstrickt in die US-amerikanische Zeitgeschichte. Am Beispiel historischer und aktueller Biopics soll deshalb herausgearbeitet werden, was eine Geschichtsschreibung im Modus von Pop leistet oder leisten kann und wessen Geschichte sie heute auf welche Weise erzählt oder erzählen soll.
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