| Lerninhalte |
Das Komische führt gegenwärtig ein interessantes Doppelleben: Es ist omnipräsent in den Sozialen Medien, die scheinbar für kluge wie banale, absurde wie verletzende Situations- und Kommunikationskomik erfunden worden sind, und es ist Teil eines politischen Diskurses, der die Grenzen der Lachkultur neu auslotet. Über jene sich wandelnde „Lachkultur“ ist seit Michael Bachtin ausgiebig nachgedacht worden: als eine anthropologische Konstante, als identitätsstiftende Grenzziehung und immer wieder als eine ästhetische und mediale Inszenierung, die heute mit Vehemenz die Frage stellt, wer überhaupt unter welchen Bedingungen als komisch gelten soll und komisch sein darf? Als „comedy arguing against comedy“ bezeichnete die New York Times 2018 die Show „Nanette“ der Komikerin Hannah Gadsby, die sich darin selbst vorwarf, Witze über ihre Queerness gemacht zu haben, bzw. machen zu müssen: „I built a career out of self-deprecation-humour, and I simply will not do this anymore, not to myself or anybody who identifies with me.” Das Komische scheint sich selbst nicht mehr trauen zu können.
Das Seminar widmet sich vor diesem Hintergrund den Inszenierungen, Erzählungen und Kontextualisierungen des Komischen in populären Kulturen. Es fragt nach den massenmedialen Apparaturen und den populären Formaten in denen und durch die das Komische auftritt genauso wie nach den lebens- und alltagspraktischen Sinngehalten des Komischen. Kulturhistorische Perspektiven werden mit einer praktischen Beobachtung und eigenen Beschreibung von komischen Momenten verbunden: Warum gibt es eigentlich Theater- oder Konzertrezensionen, aber keine Comedy-Kritik?
|