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(Deutsch below)
What is the Orient—people, cultures, nations, music? From whose vantage is it produced? This course investigates how music has mediated encounters between the “West” (the Occident) and the “East” (the Orient), revealing the complex entanglement of ideology, capital, sound, power, and identity. We will trace the history of the term Orientalism—from its early philological and Indological roots to Edward Said’s seminal critique. The course examines different schools of Orientalism, particularly British and German, and how they imagined “Eastern” worlds through music. Special attention will be given to the influence of German Indology on German Romanticism, British imperial culture, and Indian anti-colonial cultural politics. The course also considers Balkanisation as both a geopolitical and sonic process within Orientalist discourse. We will explore how, in today’s global music markets, artists from formerly colonized or marginalized regions are often compelled to self-Orientalise—reproducing or adapting versions of their cultural identity that conform to Western expectations of “authentic” otherness or to established tropes of the familiar “East,” often without space for critical negotiation or reinterpretation. Themes of exoticism, essentialism, racism, decolonization, ethics, and cultural appropriation will be analyzed through readings, listening sessions, and critical discussion. Drawing on postcolonial theory, ethnomusicology, and global cultural history, the course situates music within broader debates about empire, identity, and representation. By the end, participants will critically assess how Orientalism and its legacies continue to shape today’s musical and cultural imagination in Europe and beyond.
Was ist der Orient – Menschen, Kulturen, Nationen, Musik? Aus welcher Perspektive wird er produziert? Dieser Kurs untersucht, wie Musik die Begegnung zwischen dem „Westen“ (dem Okzident) und dem „Osten“ (dem Orient) vermittelt hat und dabei die komplexe Verflechtung von Ideologie, Kapital, Klang, Macht und Identität offenlegt. Wir werden die Geschichte des Begriffs Orientalismus nachzeichnen – von seinen frühen philologischen und indologischen Wurzeln bis zu Edward Saids bahnbrechender Kritik. Der Kurs beleuchtet verschiedene Strömungen des Orientalismus, insbesondere die britische und die deutsche, und analysiert, wie sie „östliche“ Welten musikalisch imaginiert haben. Besonderes Augenmerk gilt dem Einfluss der deutschen Indologie auf die deutsche Romantik, der britischen imperialen Kultur sowie den indischen antikolonialen Kulturpolitiken. Der Kurs berücksichtigt außerdem die Balkanisierung als geopolitischen und klanglichen Prozess innerhalb des orientalistischen Diskurses. Wir werden untersuchen, wie Künstlerinnen und Künstler aus ehemals kolonisierten oder marginalisierten Regionen auf den heutigen globalen Musikmärkten häufig dazu gedrängt werden, sich selbst zu orientalisieren – also Versionen ihrer kulturellen Identität zu reproduzieren oder anzupassen, die westlichen Erwartungen von „authentischer“ Andersartigkeit oder etablierten Tropen des vertrauten „Ostens“ entsprechen, oft ohne Raum für kritische Auseinandersetzung oder Neubewertung. Themen wie Exotismus, Essentialismus, Rassismus, Dekolonisierung, Ethik und kulturelle Aneignung werden anhand von Lektüren, Hörbeispielen und kritischen Diskussionen analysiert. Aufbauend auf postkolonialer Theorie, Ethnomusikologie und globaler Kulturgeschichte verortet der Kurs Musik in größeren Debatten über Imperium, Identität und Repräsentation. Am Ende werden die Teilnehmenden kritisch beurteilen, wie Orientalismus und seine Nachwirkungen die heutige musikalische und kulturelle Imagination in Europa und darüber hinaus weiterhin prägen. |