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Die Mehrzahl der Künste und Kunstwissenschaften standen lange Zeit, und stehen teilweise immer noch, unter dem Primat des Sehens. Bereits über die Sprachmetaphorik mit Begriffen wie „aufklären“, „erhellen“, „einsichtig machen“ etc. wird die Dominanz der visuellen Wahrnehmung deutlich. Dieser Umstand verdeckt nicht nur, dass der Hörsinn als differenziertester aller menschlichen Sinne gilt, sondern auch, wie sehr Menschen auf die akustische Wahrnehmung angewiesen sind und, umgekehrt, Umgebungen, Kulturen und gesellschaftliche Zusammenhänge diese Wahrnehmung prägen. Der oft beschriebene sonic turn zeigt zugleich ein verstärktes Interesse daran, diesem „blinden Fleck“ sowohl theoretisch als auch künstlerisch zu begegnen. Dies verdeutlicht sich nicht nur an den unterschiedlichen Perspektiven im Rahmen der sound studies wie auch der zunehmenden Produktion von Formaten wie Podcasts oder Hörbüchern oder Übersetzungsweisen wie der Audio-Deskriptionen in Film und Theater. Das Seminar orientiert sich an einer Umkehrung der Verhältnisse und steht unter dem Primat des Hörens. Zur Sprache kommen werden Theorien der sound studies und der acoustic ecology ebenso wie künstlerische akustische Formate und Praktiken. Darüber hinaus soll das Hören im Seminar erprobt und geübt werden, so dass seine Vielschichtigkeit nicht nur theoretisch und analytisch erfasst, sondern auch erfahrbar gemacht werden kann. |