Im vielzitierten Vorwort seines 2019 erschienen Monumentalwerkes „Auch eine Geschichte der Philosophie“ stellt Jürgen Habermas die drastische Diagnose: „[I]ch bin unsicher geworden, ob die Philosophie, wie wir sie kennen, noch eine Zukunft hat – ob sich nicht das Format jener [kantischen] Fragestellungen überlebt hat, sodass die Philosophie als Fach nur noch mit ihren begriffsanalytischen Fertigkeiten und als die Verwalterin ihrer eigenen Geschichte überlebt.“ (1)
Die damit aufgeworfene Frage des „Wozu?“ der Philosophie ist nicht neu, scheint aber angesichts einer zunehmenden Verwissenschaftlichung der Philosophie erneut relevant. Und obgleich Habermas selbst eine Legitimation der Philosophie in Zweifel zieht, präsentiert er mit seinem zweibändigen Werk eine solche „historische Selbstvergewisserung“ (3). Ist das nicht widersprüchlich?
Wir wollen die von Habermas demonstrierte Infragestellung zunächst systematisch begreifen und dann auf die Suche nach Antworten gehen. Welche Legitimationen des Philosophierens sind zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kontexten gegeben worden? Welche erscheinen uns heute, auch angesichts eines globalen Philosophierens, noch plausibel?
Das Blockseminar wird in zwei Teilen stattfinden: Im ersten wird die Problematik gemeinsam erarbeitet. Für die zweite Hälfte setzen sich die Studierenden mit selbst recherchierten philosophischen Antworten auseinander und entwickeln eine eigene Position.
(1) Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie (Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen), suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2384, 2022, S. 11f.
(2) Ebd., S.14. |